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Wohnbauten in der "Stadt des Kindes"

Kenndaten
 

Planungs- Bauzeit: 

2003-2013     1.Preis
Bauherr: ARWAG, Wiener Heim
Adresse: 1130, 1140 Wien, Mühlbergstraße 9-11 Hofjägerstraße 2-8
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Präambel

Das im Jahre 1974 durch die Stadt Wien errichtete Kinder- und Jugendheim wurde im Jahre 2002 geschlossen. Nachdem seitens der Stadt Wien für die von Architekt Anton Schweighofer geplante sogenannte Stadt des Kindes kein Nachnutzungsbedarf bestand, wurde der Verkauf der Anlage in die Wege geleitet.
In Folge lobte die Stadt Wien ein Bauträger-Auswahlverfahren für den Verkauf der Bestandsanlage und zweier anschließender Bebauungsflächen aus, mit dem Ziel einer Nachnutzung der Stadt des Kindes, bei dem die Bietergemeinschaft ARWAG und Wiener Heim den Zuschlag für den Erwerb des Bestandsobjektes und der Liegenschaften erhielt.
Das Entwicklungskonzept der Bietergemeinschaft setzt hauptsächlich auf die Nachnutzung der Bestandsanlage durch den Umbau in Wohnungen. Das Bad und der Turnsaal bleiben erhalten, einerseits für die Nutzer der zukünftigen Wohnungen als Gemeinschaftsanlagen und partiell auch für die Öffentlichkeit und für den Schulsport. Im Rahmen eines folgenden Expertenverfahrens für die beiden angrenzenden Erweiterungs-Module sprach das Beurteilungsgremium einstimmig eine Empfehlung für das Projekt von Architekt Walter Stelzhammer aus. Aufgrund der äußerst schwierigen Planungs- bzw. Bauaufgabe wurde in Abstimmung mit Architekt Schweighofer das damals von ihm genannte Architektenteam Stelzhammer, Lindner, Weber beauftragt.
Trotz Umnutzung in eine geförderte Wohnhausanlage war das ursprüngliche Umplanungsziel ein weitestgehender Erhalt der Bestandssubstanz der Stadt des Kindes.
Nach äußerst langwierigen und diskussionsreichen Planungsprozessen und durch Kostenermittlungen beigezogener Fachfirmen kristallisierte sich heraus, dass die "Stadt des Kindes" aufgrund der vorgegebenen Parameter (wie der "förderbaren" Baukosten der Wiener Wohnbauförderung) unter wirtschaftlichen Bedingungen nicht sanierbar bzw. umbaubar ist.
Einzig der Teilabbruch dreier Familienhäuser und anderer Bauteile wie Theatersaal, Wirtschaftsgebäude und Personalhaus ermöglicht durch Umschichtung von Errichtungskosten die Erhaltung und Sanierung der Bauteile Hallenbad, Turnsaal und zweier angeschlossener Familienhäuser.

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Architektur

Das Projektziel des neuerlich beauftragten Planungsteams um die Architekten Stelzhammer und Weber (Architekt Lindner hat sich aus der Arge zurückgezogen) war nach wie vor ein möglichst homogenes und den ursprünglichen Planungsintentionen Architekt Anton Schweighofers entsprechend authentisches Nebeneinander der sanierten Bestandsbauteile mit den nunmehr erforderlichen Ersatz-Neubauten und den beiden Erweiterungsbauteilen.
Hiezu ein Auszug aus der Beschreibung der städtebaulichen und architektonischen Qualitäten Anton Schweighofers "Stadt des Kindes" von Friedrich Achleitner (Architekturzentrum Wien, 14.09.1997) unter Hinweis auf die spezifische Stärke seiner Entwürfe hinsichtlich der:
Zitat: "Kongruenz von baulicher und soziologischer Idee"
"Das komplexe Raumangebot ist um einen linearen Straßenraum organisiert, die Wohnhäuser wenden sich nach Südwesten einem großen Parkgrundstück zu. Innerhalb dieser dezidiert urbanen Typologie ist durch räumliche Ausbildung, durch Lichtführung, durch Versatz in mehrere Ebenen, durch Terrassen und Abtreppungen eine außerordentliche Vielfalt an Nutzungsangeboten und an dreidimensionaler Erlebbarkeit erreicht worden. Die auf Transparenz und Kommunikation angelegte Architektur liefert der inhaltlichen Konzeption in Fortführung der humanen Ansprüche der klassischen Moderne die adäquate Hülle, die eben über eine rein funktionalistische Bedarfsdeckung weit hinausgeht."
Der sozialpädagogische Aspekt der Stadt des Kindes ging durch die Absiedlung verloren. Vom städtebaulichen Ensemble bleiben im Bestand der Sporttrakt und zwei Familienhäuser erhalten und bilden mit dem gemeinsamen Innenhof und den Verbindungsbrücken ein einheitliches Zeitzeugnis.
Der aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich gewordene Teilabbruch erhöhte den Schwierigkeitsgrad der Planungsaufgabe erheblich.
Somit wurde die Herausforderung von den Planern angenommen aus dem verbleibenden Teilstück der Stadt des Kindes und den Neubauteilen wieder ein architektonisches Ganzes zu gestalten.
Die räumliche Dichte entsteht dabei durch Fortführung analoger Bauteile im Rahmen des der Stadt des Kindes zugrunde liegendem städtebaulichen Masterplanes Anton Schweighofers.

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Bebauung / Bauteile / Wohnungen

Sanierung Familienhäuser

  • Die beiden Familienhäuser sind im Bestand thermisch saniert und im Inneren für Wohnungen adaptiert; bei möglichst authentischem Erhalt des äußeren Erscheinungsbildes.
  • Neue Vertikalerschließung durch den Einbau zusätzlicher Stiegenhauskerne mit Aufzügen in Ergänzung der vorhandenen Laubengangerschließung im 2.OG.
  • Die neuen Steigenhauskerne werden als typologisches Grundelement auch für die Ersatz-Familienhäuser verwendet.
  • Aufgrund der neuen Nutzung für Wohnzwecke wurden die ursprünglich großflächigen symmetrisch angeordneten Doppelgeschoß-Einheiten durch Vierspänner ersetzt. Auf zwei Geschosse bezogen ergeben sich somit je acht B- und C-Typ Wohnungen.
  • Die C-Typ Wohnungen am Park benutzen die vorhandenen Maissonettstiegen im verglasten Gebäudeteil zur Erschließung einer Wohngalerie.
  • Die Wohnungen links und rechts am Erschließungskern haben ihre Hauptorientierung in die Wohnhöfe zwischen den Familienhäusern mit Ost- bzw. Westausrichtung mit zusätzlich privaten Freiräumen durch angehängte Loggienvorbauten.
  • Die in thermischer Hinsicht problematischen Gebäuderücksprünge sind zu Wintergärten einfachverglast eingehaust.
  • Die im Dachgeschoß vorhandenen Gemeinschaftsräume sind am neuen Erschließungskern zu je zwei C-Typ Wohnungen mit Dachterrassen erweitert.
Ersatz Familienhäuser
  • Unter Berücksichtigung der Bestandswidmung und der neuen Wohnnutzung wurde die städtebauliche Einheit von fünf ehemals gleichen, gereihten Terrassenhäusern wiederhergestellt.
  • Aufgrund der von den Bestandsbauteilen abgeleiteten Widmungsvorgaben ergeben sich typologische Ähnlichkeiten: Die Reihung entlang der inneren Erschließungsachse, sowie logische Angleichungen an den Bestand, sowohl in der Höhenentwicklung als auch in der Organisation der Wohnungserschließung.
  • Die Übernahme der charakteristischen Terrassierung der Bestandsobjekte gewährt eine für Wohnzwecke ausreichenden Belichtung der in die schmalen Zwischenhöfe orientierten Aufenthaltsräume.
  • Übernommen werden die Erschließungselemente des Bestandsensembles, wie der Laubengang im 2.OG und die gedeckte Erschließungsachse im EG.
  • Mit dem Planungsziel möglichst vielen Wohnungen die Orientierung nach Süden zur Parkanlage zu ermöglichen, wurde die spezifische Terrassierung der Bestandshäuser für die Ersatzbauten übernommen. Durch Verbreiterung der Terrassenfronten werden so für vier Wohnungen je Geschoß vorgelagerte Loggien und Terrassen ermöglicht.
  • Der differenzierte Wohnungsschlüssel reicht von kompakten südorientierten B-Typen in der Gebäudemitte bis zu familiengerechten C- und D-Typen am zentralen Erschließungskern.
  • In Ableitung der Baumassenverteilung der beiden weiterhin bestehenden Familienhäuser werden in einer Neuinterpretation die wichtigsten Gestaltungs- und Ordnungsprinzipien der klassischen Moderne übernommen: Symmetrischer Aufbau mit zweigeschossig terrassierten Mittelrisalit, flankiert von Seitenrisaliten, die durch Vor- und Rücksprünge im Geschoßwechsel plastisch ausgebildet sind.
  • Die verhältnismäßig geringe Frontlänge im Verhältnis zur erheblichen Gebäudetiefe ermöglicht durch tief eingeschnittene Stiegenhauskerne unterschiedliche Wohnungstypen und Größen und mit Vier- bis Sechsspännern eine wirtschaftliche Erschließungsform.
Ersatz Personalhaus
  • Die Flatwohnungen werden über ein als Split-Level angeordnetes Stiegenhaus erschlossen
  • Dies ermöglicht bei dem kompakten Baukörper von 17m im Quadrat einen Vierspänner, bei dem alle Wohnungen zumindest 2-Seitig orientiert sind, wobei die die Bauplastik prägenden Erker zusätzliche Orientierung und Sichtbezüge ermöglichen
  • Konzipiert sind kompakte Wohneinheiten, die sowohl zu B- wie auch als C-Typen ausgebaut werden können und bei Bedarf jederzeit entsprechend adaptiert werden können
  • Alle Wohnungen haben entweder Loggien, Balkone oder Terrassen
Ersatz Wirtschaftstrakt
  • Süd Typen/ West Typen: Über einen Laubengang erschlossen werden B- und C-Typen, die sich Richtung SW zum Park orientieren. Großzügige Loggien schaffen hier den privaten Außenraum, im EG werden diese bei den Südtypen um Mietergärten erweitert. Da der Laubengang von zwei Stiegenhäusern flankiert wird, ist eine zusätzliche Querlüftungs- und Belichtungsmöglichkeit von NO gegeben
  • Atriumtypen (Nordtypen): Die Widmung sieht hier einen Baukörper in der Bauklasse I vor, der im Südwesten von einem Riegel in der Bauklasse II und im Nordosten durch die Zufahrtstraße begrenzt wird. Hier wurde deshalb ein Typus entwickelt, der sich auf innen liegende Atrien orientiert, die durch ihre erhöhte Lage im 1.OG von Süden gut belichtet werden, gleichzeitig ist der Bezug zum Außenraum über Sichtfenster an der NO-Front gegeben. Die Erdgeschoßzone ist zusätzlich ausbaubar, um so die Wohnungen den sich ändernden Wohnbedürfnissen durch Erweiterung ins Erdgeschoß mit Straßenzugang anpassen zu können.
Erweiterung Modul 1
  • Es wurde ein Vierspänner entwickelt, bei dem alle Wohnungen trotz der Widmungstiefe von 21m Baufluchtlinienabstand nach Südwesten zur großzügigen Parklandschaft orientiert sind.
  • Die aus der offenen Bauweise resultierenden 4 Baukörper bilden mit der aus der o.a. Staffelung im Grundriss ein formales Zitat der vertikalen Staffelung der benachbarten Familienhäuser
  • Private Freiräume bilden in den EG Wohnungen großzügige Eigengärten, in den DG-Wohnungen Terrassen und im 1.OG große, zum Park orientierte Balkone.
Erweiterung Modul 2
  • Mit einer Höhenstaffelung sowohl im Split innerhalb der Wohnungen sowie in der Reihung wird im Rahmen der Widmung auf die topographischen Gegebenheiten des diagonal geneigten Grundstückes mit bis zu 8m Höhenunterschied reagiert.
  • Jede Einheit birgt zwei Wohnungen als gestapelte Maisonetten wobei beide unter Ausnützung der Geländestaffelung ebenerdig erschlossen sind.
  • Großzügige Eigengärten und Terrassen bilden die der Parklage entsprechend private Freiräume der Wohnungen.
  • Im Binnenraum zwischen den Bauteilen sind neben den großzügigen, terrassierten aber barrierefreien Erschließungszonen vor den Wohnungseingängen auch öffentliche bzw. halböffentliche Spiel- und Bewegungsräume ausgebildet.
Gemeinschaftseinrichtungen
  • Gedeckter Hauptzugang mit 2 allgemeinen Terrassenebenen
  • Sanierung von Schwimmbad und Sporthalle, ergänzt um Sauna und weiteren Gemeinschafträumen zur Nutzung durch die Bewohner und der Allgemeinheit
  • Erhalt und Sanierung der angelegten fußläufigen Zugänge inkl. der beiden öffentlichen Durchgänge zur südlichen Parkanlage mit neuem Sportplatz
  • Gemeinschaftskinderspielplatz südlich an "Modul 1", bauplatzzugeordnete Kleinkinderspielplätze

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Verbindung von Sanierungsbereich und Neubaubereich

Das Gebäude mit Hallenbad, Sporthalle und Gemeinschaftsraum, sowie die beiden gegenüberliegenden "Familienhäuser" zeigen, mit der Ausnahme der Ummantelung und Ausgestaltung entsprechend den heutigen energietechnischen Anforderungen, die "Stadt des Kindes", wie sie immer war. Sie stellen ein in sich geschlossenes Ensemble innerhalb einer quadratischen Fläche von rd. 100 m Seitenlänge dar.
Vom öffentlichen Durchgang, dem Wanderweg zwischen dem "Modul 1" und dem beschriebenen Altbestandensemble, ist der erhaltene Altbestand, ohne Beeinflussung durch Neubauten, ersichtlich.
Die optischen Abschlüsse dieses Ensembles nach Norden, Osten und Süden hin, ergeben sich aus dem Baubestand. Nach Westen hin öffnet sich der Hof zwischen den genannten Gebäuden zu den Neubauteilen der "Stadt des Kindes". Die optische Angrenzung ist lediglich durch den Niveausprung, der an dieser Stelle mit rd. 1,5 m Höhe besteht, ersichtlich. Diese Höhe wird durch eine behindertengerechte Rampe, sowie durch Stiegen, überwunden.
Die bestehende Überdachung des Eingangsbereiches zur "Stadt des Kindes" von der Hofjägerstraße her wurde erneuert. Die neue Überdachung soll dem gewohnten Bild weitgehend entsprechen. Diese Konstruktion bildet den optischen Abschluss der "Stadt des Kindes" gegenüber dem Raum der Hofjägerstraße. Dadurch wird optisch auch jene Grenze markiert, die den halb öffentlichen Gemeinschaftsbereich der Bewohner/Innen der "Stadt des Kindes" von jenen Flächen, die externe Besucher/Innen benützen, trennt.

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Fotos: © Rupert Steiner

 

 

weitere Informationen ...
Erweiterung und Sanierung „Stadt des Kindes" Martina Frühwirth, Architektur Zentrum Wien / nextroom 20.02.2014:
Ludwig: Ehemalige "Stadt des Kindes" wird zu Wohnoase für Familien Rathauskorrespondenz 14.09.2009:
Ehemalige "Stadt des Kindes" wird zu Wohngebiet vienna.at 14.9.2009
Neues Leben in der "Stadt des Kindes" orf on am 10.1.2008
Ideenwerkstatt - "Stadt des Kindes" -Zwischenbericht SPÖ Penzing
Faymann: Wohnen und Freizeit in der ehemaligen "Stadt des Kindes" Österreich Journal 4.3.2003
Faymann zur Neugestaltung der ehemaligen "Stadt des Kindes" rk - rathaus-korrespondenz 12.04.2002

Miete/Kauf:
Stadt des Kindes, Projektbeschreibung  Information des Bauträgers ARWAG Heim
Stadt des Kindes, Mühlbergstr. 9 und 11/ Hofjägerstr. 2 Information des Bauträgers Wiener Heim

Bilder:
weitere Fotos von Rupert Steiner
 
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